Während des (vorläufigen) Höhepunkts der Corona-Krise haben sich engagierte Enthusiasten in Windeseile dazu aufgemacht, verschiedene Online-Marktplätze aus der Taufe zu heben. Das noble Ziel: Die Unterstützung von regionalen Händlern und Dienstleistern und der damit einhergehende Erhalt der Kaufkraft im Land. Doch so schnell die Lösungen mit großer Zustimmung im Netz vorgestellt wurden, waren sie auch schon wieder vergessen.

Bei der Spurensuche nach den Gründen für die begrenzte Akzeptanz solcher Marktplätze wird klar: Es handelt sich um komplexe Geschäftsmodelle mit niedrigen Margen, die nur mit hohem finanziellem Aufwand umgesetzt werden können. Einfache Bedienung, ein breites Produktportfolio und aktuelle Rezensionen werden von den Kunden auch noch gefordert.

Die Corona-Krise hat vielen Unternehmen beispiellos vor Augen geführt, dass die digitale Sichtbarkeit von Produkten und Dienstleistungen heute oft die entscheidende Rolle bei der Kaufentscheidung spielt. Nur Unternehmen, die auf diesen Kanälen omnipräsent sind, haben die Chance, dort Umsätze zu machen. Auf dem Weg zurück in die Normalität ist es nun verlockend (und in vielen Fällen auch notwendig), Investitionen hintenanzustellen und digitale Innovationen ein weiteres Mal zu verschieben.

Doch genau diese Entwicklung birgt eine große Gefahr: Die Konkurrenz auf dem Weltmarkt schläft nicht. Irgendwo wird gerade am revolutionären Marktplatz für lokale Händler gefeilt. Die Chancen stehen hoch, dass dieses „irgendwo“ nicht in Europa zu finden ist. Digitale Bildung, mutige Gründer und Investitionen von privater und öffentlicher Hand sind jetzt notwendiger denn je, um die Weichen für die Zukunft zu stellen.

Erschienen in thema vorarlberg 07/2020.